Artikel: Mit nassen Haaren schlafen: Was das mit dem Haar macht
Mit nassen Haaren schlafen: Was das mit dem Haar macht
Mit nassen Haaren schlafen ist nicht gefährlich, aber es ist die Nacht, in der dein Haar am empfindlichsten ist. Nasses Haar quillt auf, wird dehnbarer und reagiert auf jede Bewegung am Kissen stärker als trockenes. Krank wirst du davon nicht: Was du riskierst, ist mechanisch, nicht medizinisch.
Im Folgenden geht es darum, was in der Faser tatsächlich passiert, was an der Sache mit der Erkältung dran ist, warum es Locken härter trifft als glattes Haar, und was hilft, wenn du es zeitlich nicht anders schaffst.
Was mit nassem Haar in der Nacht passiert
Haar nimmt Wasser auf. Dabei quillt die Faser, und die Schuppenschicht stellt sich leicht auf: Das ist die äußere Schicht des Haares aus überlappenden Zellplättchen, die den inneren Teil schützt. Gleichzeitig sind viele der Wasserstoffbrücken vorübergehend gelöst, die dem Haar im trockenen Zustand seine Festigkeit geben; das ist eine umkehrbare Veränderung und kein Schaden an der dauerhaften Struktur. Genau deshalb lässt sich nasses Haar überhaupt in Form bringen und trocknet dann in dieser Form. Und genau deshalb ist es dehnbarer und gibt unter Zug früher nach.
Auf dem Kissen kommt beides zusammen. Eine aufgestellte Schuppenschicht bedeutet mehr Reibung, eine gequollene Faser bedeutet weniger Reserve, und dein Kopf bewegt sich in einer Nacht viele Male. Was tagsüber ein harmloses Streifen am Kragen wäre, trifft nachts über Stunden auf Haar in seinem verletzlichsten Zustand.
Ein Grund zur Panik ist das nicht. Die beschriebene Belastung summiert sich erst durch Wiederholung, sodass eine einzelne feuchte Nacht am nächsten Morgen kaum sichtbar wird. Was den Unterschied macht, ist die Gewohnheit und nicht der Einzelfall: Wer regelmäßig nass ins Bett geht, legt eine mechanische Belastung obendrauf, die sonst nirgends im Haaralltag in dieser Form entsteht. Wie sich solche Belastung in Bruch übersetzt, steht ausführlich in Haarbruch.
Zum verwandten Thema Spliss gibt es einen eigenen Ratgeber.
Bekommt man von nassen Haaren eine Erkältung?
Nein. Eine Erkältung wird von Viren ausgelöst, und nasse Haare sind kein Virus. Ohne Erreger entsteht keine Infektion, egal wie kalt dein Kopf sich anfühlt.
Was an der Alltagsbeobachtung stimmt: Mit nassem Kopf frierst du schneller, weil verdunstendes Wasser dem Kopf Wärme entzieht. Das ist unangenehm und kann den Schlaf stören. Ansteckend ist es nicht.
Die Kopfhaut ist der Teil, über den zu wenig gesprochen wird
Beim Thema nasse Haare schauen die meisten auf die Längen. Über Stunden liegt aber vor allem die Kopfhaut in einem feuchten, warmen und kaum belüfteten Milieu, eingeschlossen zwischen Haar und Kissen. Berichtet werden danach häufig eine juckende Kopfhaut und Ansätze, die morgens schneller strähnig wirken.
Halte das auseinander: Ein unangenehmes Gefühl nach einer Nacht ist etwas anderes als ein wiederkehrendes Kopfhautproblem. Wenn Juckreiz, Schuppen oder gereizte Stellen immer wiederkommen oder schlimmer werden, gehört das dermatologisch abgeklärt. Das ist keine Frage des Kissenbezugs, und mit Bettwäsche ist einer Hauterkrankung nicht beizukommen.
Warum es Locken härter trifft
Lockiges Haar trocknet in der Form, in der es gerade liegt. Wer nass einschläft, überlässt diese Form dem Kissen: Die Locke wird an den Auflagepunkten plattgedrückt, das Muster bricht dort auf, und am Morgen ist die Struktur ungleichmäßig, oft nur auf einer Kopfseite. Dazu kommt, dass die Biegungen im gelockten Haar mechanisch tendenziell stärker beansprucht werden als gerade Abschnitte, wie stark, hängt von Lockentyp, Vorschädigung und Umgang ab.
Das ist der Grund, warum in Lockenforen die Haube so präsent ist: Sie hält die Form zusammen, statt sie dem Kissen zu überlassen, und wie das funktioniert, steht in Bonnet für die Haare. Für diese Nacht gilt trotzdem die Einschränkung: Eine Haube über wirklich nassem Haar verlängert die Trockenzeit zusätzlich, weil die Luft nicht herankommt. Sie ist die Lösung für handtuchfeuchtes Haar, nicht für tropfnasses.
Was hilft, wenn die Zeit zum Trocknen fehlt
„Handtuchfeucht“ ist eine Faustregel und keine scharfe Grenze: Das Haar tropft nicht mehr, fühlt sich kühl und leicht klamm an und gibt beim Zusammendrücken kein Wasser mehr ab. Der Wassergehalt nimmt kontinuierlich ab, es gibt also keinen Punkt, ab dem es plötzlich unbedenklich wäre. Die folgenden Punkte werden mit zunehmender Trockenheit einfach wirksamer.
- Ausdrücken statt rubbeln. Ein Mikrofasertuch oder ein altes T-Shirt nimmt Wasser auf, ohne dass du die aufgestellte Schuppenschicht gegeneinander reibst. Frottee ist griffiger, als es sich anfühlt.
- Mit kalter Luft bis handtuchfeucht. Wenn die Zeit für vollständiges Trocknen fehlt, holt der Schritt von tropfnass auf handtuchfeucht das Haar aus seinem am stärksten gequollenen Zustand, und dafür reicht die kalte Stufe.
- Locker binden statt offen lassen. Ein hoch sitzender, lockerer Dutt oder ein loser Zopf mit weichem Band hält das Haar zusammen, sodass es sich weniger gegen das Kissen und gegen sich selbst verschiebt.
- Nichts eng schließen. Kein straffes Gummi, kein eng gezogenes Band, keine fest sitzende Haube auf nassem Haar. Zug auf gequollener Faser ist genau die Kombination, die du vermeiden willst.
- Kissenbezug wechseln, wenn er feucht wird. Ein durchfeuchteter Bezug hält die Feuchtigkeit an der Kopfhaut und ist der Grund, warum manche morgens einen klammen Ansatz haben.
Und das Kissen darunter
Das Wasser aus deinem Haar verschwindet nicht, es zieht in den Bezug und von dort ins Kissen. Ein Bezug ist am Morgen oft wieder trocken, je nachdem, wie viel Wasser hineingegangen ist und wie gut der Raum lüftet; die Füllung darunter braucht deutlich länger, besonders bei dichten Kissen und in schlecht gelüfteten Schlafzimmern. Deshalb raten Bettwarenhersteller vom regelmäßigen Einschlafen mit nassem Haar ab, und zwar aus Hygienegründen, nicht wegen der Haare.
Praktisch heißt das: Kissen morgens aufschütteln und offen liegen lassen statt sofort unter die Decke stopfen, Bezüge häufiger wechseln, wenn du oft feucht ins Bett gehst, und die Kissenpflegehinweise des Herstellers beachten. Das ist ein Nebenschauplatz, aber er erklärt, warum ausgerechnet Matratzen- und Bettenhersteller zu diesem Thema so deutlich Stellung beziehen.
Was ein Seidenkissenbezug hier leistet und was nicht
Er senkt die Reibung. Eine glatte, dicht gewebte Oberfläche bietet der aufgestellten Schuppenschicht schlicht weniger Angriffspunkte, und genau darauf kommt es bei nassem Haar stärker an als bei trockenem, weil diese Schicht gerade dann weiter offensteht. Mehr dazu, was ein Bezug für die Haare tut, steht in Seidenkissenbezug und Haare.
Zwei Dinge tut er ausdrücklich nicht. Er trocknet dein Haar nicht schneller: Ein dicht gewebtes Seidengewebe nimmt weniger Feuchtigkeit auf als ein saugfähiges Baumwollgewebe, sodass mehr Wasser im Haar bleibt. Für die Trockenzeit ist das eher ein Nachteil. Und er macht nasses Haar nicht unempfindlich: Die gequollene Faser bleibt gequollen, ob sie auf Seide oder auf Baumwolle liegt. Der Bezug nimmt eine Belastung heraus, er hebt den Zustand nicht auf.
Seide bei RENESSY
Zum Thema Kissen noch ein Wort in eigener Sache. Unsere Seidenkissenbezüge bestehen aus Bio-Maulbeerseide, beidseitig echte Seide, geschlossen mit einem versteckten YKK-Reißverschluss. Das Gewebe wiegt 22 Momme; Momme ist die Einheit für das Flächengewicht von Seide und entspricht etwa 4,34 g/m² je Momme. Die Rohseide dafür ist mit 6A eingestuft, einer Handelsklassifizierung für die Rohseide und nicht für den fertigen Bezug. Zertifiziert sind die Bezüge nach GOTS, sie tragen das Label OEKO-TEX MADE IN GREEN, und ihre dermatologische Prüfung ist von Dermatest zertifiziert, auch für empfindliche Haut. Worum es sich bei Maulbeerseide als Material handelt, erklären wir gesondert.
Häufige Fragen
Ist es schlimm, einmal mit nassen Haaren zu schlafen?
Nein. Die hier beschriebene mechanische Belastung baut sich über wiederholte Nächte auf, sodass nach einer einzelnen Nacht sehr wahrscheinlich nichts zu sehen ist. Zum Thema wird es als Gewohnheit, nicht als gelegentlich später Abend.
Kann man von nassen Haaren krank werden?
Nein. Erkältungen werden durch Viren übertragen, nicht durch Nässe oder Kälte. Ein nasser Kopf kühlt schneller aus und fühlt sich unangenehm an, aber ohne Erreger entsteht keine Infektion.
Wie lange sollte man die Haare vor dem Schlafen trocknen lassen?
Die Haare sollten vor dem Schlafen handtuchfeucht sein, also nicht mehr tropfen und beim Zusammendrücken kein Wasser mehr abgeben. Wie lange das dauert, hängt von Haarlänge, Haardichte, der noch im Haar sitzenden Wassermenge und der Raumluft ab, weshalb die Druckprobe der bessere Maßstab ist als die Uhr.
Werden die Haare fettiger, wenn man nass schläft?
Was viele nach einer solchen Nacht als fettig wahrnehmen, ist vor allem der plattgedrückte, klamme Ansatz am Morgen: Nass eingeschlafenes Haar trocknet in der Form, in der es auf dem Kissen liegt, und verliert dabei am Ansatz sein Volumen. Ob und wie die Talgproduktion selbst darauf reagiert, ist damit nicht gesagt; Talg und Kopfhautreizungen hängen von mehreren Faktoren ab.
Hilft ein Handtuch-Turban über Nacht?
Ein Handtuch-Turban ist für die ersten Minuten nach dem Waschen sinnvoll und für die ganze Nacht die schlechtere Wahl. Direkt nach dem Waschen nimmt das Tuch Wasser aus dem Haar auf. Ist es einmal gesättigt, hält es die Feuchtigkeit eher an Haar und Kopfhaut, und je nach Material, Gewicht und Wickelspannung zieht es zusätzlich am Ansatz.


