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Artikel: Was ist Seide? Aufbau, Herstellung und was Momme und 6A bedeuten

Materialkunde

Was ist Seide? Aufbau, Herstellung und was Momme und 6A bedeuten

Seide ist eine Naturfaser aus Eiweiß, die Seidenraupen spinnen, um daraus den Kokon zu bauen, in dem sie sich verpuppen. Im Handel stammt sie fast ausschließlich von gezüchteten Seidenraupen, vor allem vom Maulbeerspinner (Bombyx mori), dessen Raupen mit Maulbeerblättern gefüttert werden. Die Fäden mehrerer Kokons werden gemeinsam abgewickelt und zu einem Rohseidenfaden vereinigt; aus dieser Rohseide wird Stoff gewebt. In der EU ist „Seide“ auf dem Etikett eine gesetzlich geregelte Faserbezeichnung. Hier liest du, woraus Seide besteht, woher sie kommt, wie aus dem Kokon ein Stoff wird, was Angaben wie Momme und 6A bedeuten und woran du echte Seide erkennst.

Was ist Seide?

Seide ist eine tierische Proteinfaser. Die Seidenraupe bildet dafür ein flüssiges Eiweiß in zwei langen Seidendrüsen, die sich durch ihren Körper ziehen, und gibt es über eine Öffnung am Kopf ab; an der Luft wird es fest, und die Raupe legt den Faden Schicht für Schicht zu einem Kokon um sich. Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung beschreibt Seide als „Faser, die ausschließlich aus Kokons seidenspinnender Insekten gewonnen wird“. Deshalb heißt auch die Seide anderer Seidenspinner Seide, nicht nur die des Maulbeerspinners.

Im Alltag hörst du auch das Wort Naturseide. Der Duden erklärt Naturseide als natürliche, nicht synthetisch hergestellte Seide; gemeint ist also dieselbe Faser. In der Faserzusammensetzung auf dem Etikett steht dafür die Bezeichnung „Seide“.

Einige Eigenschaften der Faser:

  • Glanz: Seide ist eine feine Faser mit natürlichem Glanz.
  • Feuchtigkeit: Die Faser nimmt etwa 11 % Feuchtigkeit auf, bezogen auf ihr Trockengewicht.
  • Festigkeit: Der Faden aus dem Kokon ist sehr reißfest.
  • Empfindlichkeit: Sonnenlicht baut Seide ab, und schon schwach alkalische Lösungen wie Seifenlauge können die Faser schädigen.

Fibroin und Sericin: woraus Seide besteht

Seide besteht vor allem aus zwei Eiweißen. Fibroin bildet den eigentlichen Faden; Sericin, auch Seidenleim oder Seidenbast genannt, umhüllt ihn als Klebschicht. Genau genommen besteht der Kokonfaden aus zwei Fibroinsträngen, einem aus jeder Seidendrüse; das Sericin hält sie zusammen, und unter dem Mikroskop sind beide zu erkennen. Das Fibroin selbst ist zum größten Teil aus den Aminosäuren Glycin und Alanin aufgebaut.

Solange das Sericin am Faden haftet, ist die Seide matt und steif; der Duden beschreibt Rohseide als „steif und strohig“. Bei der Verarbeitung wird das Sericin deshalb größtenteils entfernt, etwa durch Kochen in Seifenlösung oder verdünnter Lauge. Diesen kontrollierten Schritt nennt man Entbasten oder Degummieren; weil zu starkes Entbasten die Seide brüchig machen kann, werden Konzentration und Kochzeit dabei festgelegt.

Woher kommt Seide?

Die Seidenherstellung begann in China. Nach chinesischer Überlieferung gab es sie dort schon vor der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. Später gelangte chinesische Seide über die Karawanenroute durch Zentralasien, die als Seidenstraße bekannt ist, bis nach Rom. Die Seidenzucht, aus der Europa bis ins 19. Jahrhundert seine Seidenraupen bezog, begann um 550 n. Chr.: Damals schmuggelten zwei Mönche auf Betreiben des byzantinischen Kaisers Justinian Seidenraupen aus China nach Konstantinopel.

Maulbeerseide und Wildseide

Maulbeerseide stammt vom domestizierten Maulbeerspinner, dessen Raupen mit den Blättern des Maulbeerbaums aufgezogen werden. Wildseide ist ein Sammelname, oft für Seide aus der Gattung Antheraea, etwa Tussahseide. Laut dem Seidenhandbuch der Welternährungsorganisation FAO fressen manche dieser Raupen Eichenlaub statt Maulbeerblättern; ihr Faden ist unregelmäßiger und gröber, und die Seide glänzt weniger als Zuchtseide.

In der Faserangabe auf einem Etikett in der EU heißt die Seide all dieser Insekten schlicht „Seide“. Manche Anbieter schreiben „100 % Maulbeerseide“. Benannt ist dort die Faser Seide, „Maulbeerseide“ ist der Zusatz des Anbieters.

Vom Kokon zum Seidenstoff

Ein Kokon besteht aus einem einzigen, durchgehenden Faden; nach einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016 ist er 900 bis 1500 Meter lang. Vor dem Abwickeln werden die Kokons mit Dampf oder heißer Luft erhitzt, und die Puppe im Kokon stirbt dabei. Anschließend werden die Kokons mit heißem Wasser und Dampf gekocht, bis das Sericin weich wird. Ein einzelner Faden ist zu dünn, deshalb werden die Fäden mehrerer Kokons gemeinsam abgewickelt, also abgehaspelt, und zu einem Rohseidenfaden vereinigt.

Kurze Fadenstücke und aussortierte Kokons werden gekämmt und zu Garn versponnen; diese Seide heißt Schappe- oder Florettseide. Laut FAO ist sie weich, glänzt aber weniger und ist weniger reißfest und elastisch als gehaspelte Seide. Wie aus Kokons Garne und Gewebe werden und welche Seidenspinner es neben dem Maulbeerspinner gibt, zeigt unser Überblick über die Seidenarten.

Aus Rohseide und gesponnenem Seidengarn wird schließlich Stoff gewebt. Seide ist eine Faser, Satin ist eine Webart. Ein Gewebe aus Seidenfasern in Satinbindung heißt Seidensatin, dort treffen sich beide Begriffe. Auch Charmeuse ist keine Faser, sondern ein leichtes Gewebe in Satinbindung, das aus Seide, Polyester oder Viskose bestehen kann. Worin sich Seidensatin von Satin aus Polyester unterscheidet, zeigt unser Beitrag Seide oder Satin.

Momme und 6A: Gewicht und Güteklasse

Momme (abgekürzt mm) ist eine Einheit für das Gewicht von Seidenstoff. 1 Momme entspricht rund 4,34 Gramm pro Quadratmeter. Ein Gewebe mit 22 Momme wiegt also etwa 95 Gramm pro Quadratmeter. Die meisten Anbieter ordnen bestimmte Werte als Einstieg oder Premium ein; diese Stufen sind eine Handelskonvention, keine Norm. Wie sich die Einheit umrechnen lässt und welcher Wert wofür üblich ist, erklärt unser Beitrag über Momme.

Die Güteklasse, im Handel oft „Grad“ genannt, bezieht sich dagegen auf den Rohseidenfaden, bevor er verwebt wird. 6A ist die höchste Stufe der chinesischen Rohseidennorm GB/T 1797. Der Grad bewertet die Rohseide, Momme das Gewicht des fertigen Gewebes. Angaben wie Momme oder Güteklasse und ein höherer Preis sprechen für echte Seide, ein Beweis sind sie nicht. Wie du beide Angaben beim Kauf liest, erklärt unser Beitrag über Maulbeerseide.

Die fünf Angaben, die dir bei Seidenprodukten begegnen, im Überblick:

AngabeWas sie beschreibtBeispiel
Faserdas Material laut FaserzusammensetzungSeide
Seidenartdas Insekt, von dem die Seide stammtMaulbeerseide, Tussahseide
Bindung oder Gewebewie die Fäden verwebt sindSatin, Charmeuse
Mommedas Gewicht des Stoffs22 Momme, rund 95 g/m²
Güteklassedie Qualität des Rohseidenfadens6A

Seide oder Kunstseide: woran du echte Seide erkennst

Bei echter Seide nennt die Faserzusammensetzung auf dem Etikett oder der Produktseite die Faser „Seide“. „100 %“, „rein“ oder „ganz“ dürfen nur Textilien tragen, die ausschließlich aus einer einzigen Faser bestehen. In der EU dürfen dafür nur die Faserbezeichnungen aus Anhang I der Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 verwendet werden. Die Bezeichnungen aus Anhang I dürfen weder alleinstehend noch in Wortverbindungen oder als Eigenschaftswort für andere Fasern verwendet werden. Wörter wie „seidig“, „Silk Touch“ oder „Satin-Optik“ sagen nichts über die Faser, sie beschreiben, wie ein Stoff aussieht oder sich anfühlt.

Kunstseide ist keine Seide: Das Wort ist ein alter Name für seidenähnliche Fasern aus Zellulose, etwa Viskose oder Acetat, und im Stoffhandel ist es bis heute geläufig. Welche Fasern hinter dem Namen stecken und wie sie sich von echter Seide unterscheiden, erklärt unser Beitrag Kunstseide. Ob eine Faser wirklich Seide ist, lässt sich ohne Laborprüfung nicht abschließend feststellen, auch mit dem oft empfohlenen Brenntest nicht.

Seide bei RENESSY

Mit den Angaben aus der Tabelle kannst du jedes Seidenprodukt einordnen, auch die von RENESSY: Unsere Seidenkissenbezüge bestehen aus 100 % Bio-Maulbeerseide mit 22 Momme, die Rohseide hat die Güteklasse 6A, und Seide liegt auf Vorder- und Rückseite. Die Seide ist GOTS-zertifiziert.

Häufige Fragen zu Seide

Woraus besteht Seide?

Seide besteht vor allem aus den Eiweißen Fibroin und Sericin: Fibroin bildet den Faden, Sericin umhüllt ihn als Seidenleim und wird bei der Verarbeitung größtenteils entfernt.

Wie wird Seide hergestellt?

Für Seide werden die Kokons von Seidenraupen mit Hitze, Wasser und Dampf erweicht, die Fäden mehrerer Kokons gemeinsam abgehaspelt und zu einem Rohseidenfaden vereinigt, und daraus wird Stoff gewebt; das Sericin wird dabei größtenteils entfernt.

Was ist Naturseide?

Naturseide ist ein anderes Wort für echte Seide, also die natürliche, nicht synthetisch hergestellte Faser aus den Kokons seidenspinnender Insekten; in der Faserzusammensetzung auf dem Etikett heißt sie „Seide“.

Woran erkennst du echte Seide?

Echte Seide erkennst du am sichersten an der Faserzusammensetzung auf dem Etikett oder der Produktseite, denn Wörter wie „seidig“ oder „Satin“ nennen keine Faser; Griff, Glanz, Momme und Güteklasse sind nur Hinweise, und ob eine Faser wirklich Seide ist, lässt sich ohne Laborprüfung nicht abschließend feststellen.

Was bedeuten Momme und 6A bei Seide?

Momme ist eine Einheit für das Gewicht von Seidenstoff, wobei 1 Momme rund 4,34 Gramm pro Quadratmeter entspricht, und 6A ist die höchste Stufe der chinesischen Rohseidennorm GB/T 1797; die Güteklasse bewertet den Rohseidenfaden, nicht den fertigen Stoff.

Quellen

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