Artikel: Was ist Acetat? Herkunft, Eigenschaften und der Unterschied zu Seide
Was ist Acetat? Herkunft, Eigenschaften und der Unterschied zu Seide
Acetat ist eine Chemiefaser aus Zelluloseacetat, also aus Zellulose, die chemisch verändert wurde. Der Rohstoff stammt aus Holz oder aus Baumwolle, die Faser selbst entsteht in der Fabrik. Stoffe aus Acetat schimmern, fallen weich und sehen Seide ähnlich, Seide sind sie aber nicht: In der EU muss Acetat in der Faserzusammensetzung deshalb als „Acetat“ angegeben werden, nicht als „Seide“. Hier liest du, wie Acetat hergestellt wird, wo es dir begegnet, worin es sich von Seide und Polyester unterscheidet und wie du es pflegst.
Was ist Acetat?
Acetat ist eine Textilfaser aus Zelluloseacetat. Für die Herstellung wird gereinigte Zellulose aus Holz oder aus Linters, den kurzen Fasern an den Samen der Baumwolle, mit Essigsäure und Essigsäureanhydrid behandelt. Dabei ersetzen Acetylgruppen den Wasserstoff in den Hydroxylgruppen der Zellulose; diesen Schritt nennt man Acetylierung. Das Zelluloseacetat wird anschließend im Trockenspinnverfahren zu Fäden versponnen.
Wie weit die Acetylierung geht, bestimmt sogar den Namen der Faser. Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung definiert Acetat als „Faser aus Zellulose-Acetat mit weniger als 92 %, jedoch mindestens 74 % acetylierter Hydroxylgruppen“. Sind mindestens 92 % der Hydroxylgruppen acetyliert, heißt die Faser Triacetat. Beide Namen stehen in der Liste der zulässigen Faserbezeichnungen.
Naturfaser oder Kunstfaser: wo Acetat steht
Acetat ist eine Chemiefaser, im Alltag auch Kunstfaser genannt. Der Ausgangsstoff ist allerdings ein Naturstoff: Zellulose aus Pflanzen. Von Viskose unterscheidet sich Acetat im Verfahren: Viskose ist regenerierte Zellulose, Acetat dagegen chemisch veränderte Zellulose. Von Polyester trennt Acetat der Rohstoff: Polyester wird vollständig aus chemischen Grundstoffen aufgebaut und enthält keine Zellulose. Von den dreien ist deshalb nur Polyester im engeren Sinn synthetisch.
Woher Acetat kommt
Dass sich Zellulose mit Essigsäureanhydrid acetylieren lässt, entdeckten Paul Schützenberger und Laurent Naudin 1865 in Paris. Als Textilfaser kam Acetat erst nach dem Ersten Weltkrieg auf den Markt: 1921 begann British Celanese, das Unternehmen der Schweizer Brüder Henri und Camille Dreyfus, in England mit der Herstellung von Acetatgarn. Verkauft wurde es als Kunstseide, unter anderem für preiswerte Futterstoffe. In den USA lief die Produktion 1924 an.
Eigenschaften von Acetat
- Glanz und Fall: Acetatstoffe haben einen seidenähnlichen Schimmer, fühlen sich weich an und fallen fließend.
- Feuchtigkeit: Die Faser nimmt etwa 6 bis 6,5 % Feuchtigkeit auf, bezogen auf ihr Trockengewicht. Triacetat nimmt weniger auf, etwa 2,5 bis 3,5 %. Zum Vergleich: Seide nimmt etwa 11 % auf, Polyester 0,1 bis 0,4 %. Nach der Wäsche trocknen Acetatstoffe schnell.
- Festigkeit: Nass ist Acetat deutlich weniger reißfest als trocken.
- Hitze: Acetat wird bei Hitze weich und schmilzt bei etwa 230 °C; gebügelt wird es deshalb nur bei niedriger Temperatur.
- Aceton: Aceton löst Acetat auf. Auf dieser Eigenschaft beruht das in der EU-Verordnung festgelegte Prüfverfahren, mit dem Labore den Acetatanteil in Fasermischungen bestimmen. Triacetat dagegen löst sich in Aceton nicht auf.
Wofür Acetat verwendet wird
Wegen seines Glanzes dient Acetat bis heute als Futterstoff in Kleidung. Daneben findet man es in Blusen, Kleidern und Unterwäsche, auch als Satin. Satin ist eine Webart und keine Faser; er lässt sich zum Beispiel aus Seide, Acetat oder Viskose weben. Im Handel ist Satin oft aus Polyester oder einer anderen Kunstfaser gewebt; was das für den Vergleich mit Seide bedeutet, erklärt unser Beitrag Seide oder Satin. Triacetat wird unter anderem zu Taft verarbeitet.
Außerhalb der Kleidung begegnet dir Zelluloseacetat etwa in Zigarettenfiltern und Brillengestellen. Faserbündel daraus sind das wichtigste Material für solche Filter. Und wenn ein Brillengestell aus Acetat angeboten wird, ist derselbe Grundstoff gemeint, nur als Kunststoff verarbeitet statt zu Fasern versponnen.
Acetat, Seide oder Polyester: der Vergleich
| Merkmal | Acetat | Seide | Polyester |
|---|---|---|---|
| Rohstoff | Zellulose aus Holz oder Baumwolle, chemisch verändert | Kokons seidenspinnender Insekten | chemische Grundstoffe, keine Zellulose |
| Fasertyp | Chemiefaser aus einem Naturstoff | Naturfaser | synthetische Chemiefaser |
| Feuchtigkeitsaufnahme der Faser | etwa 6 bis 6,5 % | etwa 11 % | 0,1 bis 0,4 % |
| Bügeln, in der Regel | ein Punkt, höchstens 110 °C | zwei Punkte, etwa 150 °C | zwei Punkte, etwa 150 °C |
| Aceton | löst die Faser auf | löst die Faser nicht auf | löst die Faser nicht auf |
Jede der drei Fasern hat ihre Stärken. Acetat schimmert seidenähnlich, fällt weich und trocknet schnell. Polyester ist reißfester und lässt sich heißer bügeln. Seide ist eine Naturfaser und nimmt von den drei Fasern am meisten Feuchtigkeit auf. Welche Bügeltemperatur für ein bestimmtes Stück gilt, steht immer auf dessen Pflegeetikett.
Acetat auf dem Etikett
Ob ein Stoff aus Acetat besteht, gibt die Faserzusammensetzung an. In der EU dürfen dafür nur die Faserbezeichnungen aus der Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 verwendet werden, in Deutschland in deutscher Sprache. Acetat heißt dort „Acetat“, die stärker acetylierte Variante „Triacetat“. Die Bezeichnung „Seide“ ist der Faser vorbehalten, die ausschließlich aus Kokons seidenspinnender Insekten gewonnen wird; auf dem Etikett darf sie für andere Fasern weder allein noch in Wortverbindungen noch als Eigenschaftswort verwendet werden. Acetatfasern heißen in der Faserzusammensetzung deshalb nie „Seide“, auch wenn der Stoff wie Seide aussieht. Wörter wie „seidig“, „Silk Touch“ oder „Satin-Optik“ sagen nichts über die Faser, sie beschreiben, wie ein Stoff aussieht oder sich anfühlt.
Den alten Namen Kunstseide hörst du im Stoffhandel aber noch. Was hinter Kunstseide steckt und wie du sie von echter Seide unterscheidest, liest du in unserem Beitrag dazu. Griff und Glanz geben dabei nur Hinweise: Ob eine Faser wirklich Seide ist, lässt sich ohne Laborprüfung nicht abschließend feststellen, auch mit dem oft empfohlenen Brenntest nicht.
Acetat pflegen
Für jedes Textil gilt zuerst das Pflegeetikett: Es legt Temperatur, Waschgang und Trocknung fest. Bei Acetat kommen drei Punkte hinzu.
- Kein Aceton: Halte Nagellackentferner von Acetat- und Triacetatstoffen fern: Aceton löst Acetat auf und kann Triacetat beschädigen. Vorsicht gilt auch bei Fleckenwasser, denn einige andere organische Lösungsmittel lösen Acetat ebenfalls auf.
- Wenig Hitze: Empfohlen wird, Acetat nur bei niedriger Temperatur zu bügeln (ein Punkt, höchstens 110 °C), leicht feucht und auf der linken Seite, also von innen, damit der Glanz erhalten bleibt.
- Nass schonend: Nass ist Acetat weniger reißfest, und Falten, die im nassen Zustand entstehen, bleiben leicht im Stoff. Behandle es deshalb vorsichtig, solange es nass ist.
Ob Handwäsche, Maschine oder chemische Reinigung: Das entscheidet das Etikett. Für Seide gelten eigene Regeln; wie du sie Schritt für Schritt wäschst, erklärt unser Beitrag Seide waschen.
Seide bei RENESSY
Die Seidenkissenbezüge von RENESSY bestehen nicht aus Acetat, sondern aus 100 % Bio-Maulbeerseide mit 22 Momme in der Güteklasse 6A, und zwar auf Vorder- und Rückseite. Die Seide ist GOTS-zertifiziert. Die Kissenbezüge tragen das OEKO-TEX MADE IN GREEN Label mit der Label-ID M27MNB1V9, die du auf der Website von OEKO-TEX nachschlagen kannst. Dermatest hat sie dermatologisch geprüft und mit dem 5-Sterne-Siegel sowie dem Siegel für sensible Haut ausgezeichnet. Was Maulbeerseide von anderen Seiden unterscheidet, erklärt unser Beitrag zur Maulbeerseide.
Häufige Fragen zu Acetat
Ist Acetat eine Naturfaser oder eine Kunstfaser?
Acetat ist eine Chemiefaser aus Zelluloseacetat und damit im Alltag eine Kunstfaser, allerdings auf Basis eines Naturstoffs: Der Rohstoff Zellulose stammt aus Holz oder Baumwolle, die Faser selbst wird chemisch hergestellt. Eine synthetische Faser wie Polyester ist Acetat nicht.
Ist Acetat Seide?
Nein. Acetat ist eine Chemiefaser aus Zellulose, Seide eine Naturfaser aus den Kokons seidenspinnender Insekten. In der EU darf Acetat in der Faserzusammensetzung nicht als Seide bezeichnet werden, auch wenn ein Acetatstoff Seide ähnlich sieht.
Was ist der Unterschied zwischen Acetat und Polyester?
Acetat wird aus Zellulose hergestellt, Polyester vollständig aus chemischen Grundstoffen; Acetat nimmt mehr Feuchtigkeit auf und löst sich in Aceton, Polyester ist reißfester und lässt sich heißer bügeln.
Kann man Acetat waschen?
Acetat lässt sich waschen, wenn das Pflegeetikett es erlaubt, und zwar so, wie es dort steht. Halte Aceton von Acetat fern, bügle es nur bei niedriger Temperatur (ein Punkt, höchstens 110 °C) und behandle es nass schonend, weil die Faser dann weniger reißfest ist.
Was ist der Unterschied zwischen Acetat und Triacetat?
Der Unterschied liegt im Grad der Acetylierung: Bei Acetat sind weniger als 92 %, aber mindestens 74 % der Hydroxylgruppen acetyliert, bei Triacetat mindestens 92 %. Triacetat nimmt außerdem weniger Feuchtigkeit auf und löst sich, anders als Acetat, nicht in Aceton auf.
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 über die Bezeichnungen von Textilfasern, konsolidierte Fassung: EUR-Lex
- Textilkennzeichnungsgesetz (TextilKennzG): Gesetze im Internet
- Encyclopaedia Britannica: Cellulose acetate
- Museum of Fine Arts Boston, CAMEO: Acetate fiber, Triacetate fiber, Silk, Polyester fiber
- wissen.de Lexikon: Acetat
- Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW): Pflegekennzeichen – einfach und nützlich
- University of Georgia Extension: Stain removal, fingernail polish
- Encyclopedia.com: Celanese Corporation
- Wikipedia: Celluloseacetat
- Duden: Kunstfaser
- Victoria and Albert Museum: Brillengestell aus Zelluloseacetat


